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Stefanie Marek
Mit ihrem Mann ein Gesamtkunstwerk „Leben mit Freude, Kindern und erfüllenden Berufen“ zurechtgeschnitten

Stefanie Marek M.A., Alter 34, selbstständig seit April 2003

Wie heißt Ihre Firma?
Schreib- und Kommunikationsberatung

Wie groß ist Ihre Firma? (Mitarbeiter/Umsatz)
Bislang bin ich alleinige Dienstleistungserbringerin. Der Jahresumsatz liegt mit einer Arbeitszeit von etwa 20- bis 30-Stunden/Woche bei circa 25.000 €.

In welcher Rechtsform ist die Firma organisiert?
Freier Beruf

Was genau war die anfängliche Geschäftsidee?

Was für ein Angebot an die Kunden hat sich aus der anfänglichen Geschäftsidee entwickelt?
Ich habe mein Angebot fokussiert auf Dienstleistungen rund um das Thema „Schriftliche Kommunikation für Fach- und Führungskräfte“.

Mein ursprüngliches Angebot, für andere Marketingtexte zu schreiben, ist zurückgetreten zu Gunsten der Idee, das Handwerkszeug des Schreibens zu lehren. Es ist in vielen Fällen effizienter, Fachexperten in Schreibtrainings oder Schreibcoachings das Schreiben beizubringen als einem Schreibprofi die Details des Expertenwissens. Im anschließenden Lektorat wird der Text gemeinsam mit dem Kunden überarbeitet hinsichtlich:

Der Kunde profitiert nachhaltig in Beruf und Privatleben von der praxisbezogenen Sprachberatung – er erhält Hilfe zur Selbsthilfe.

Erzählen Sie uns von den Anfängen Ihres Weges in die Selbstständigkeit: Wann haben Sie den Gedanken an Selbstständigkeit zum ersten Mal gefasst?
1998, am Ende meines Germanistik-Studiums an der RWTH Aachen. In einem einjährigen Praxisprojekt mit Studierenden der Germanistik, BWL und Informatik haben wir ein Software-Produkt entwickelt und auf der CeBit’98 vorgestellt. Ziel des Projektes war es, die Hochschulabsolventen auf die Selbstständigkeit vorzubereiten. Ich habe mich dann aber doch entschlossen, meine ersten Berufserfahrungen nach dem Studium als Angestellte in der Industrie zu machen. Ich wollte in der professionellen Umgebung eines Großkonzerns lernen, wie Unternehmen funktionieren. Außerdem gab mir diese Tätigkeit die Chance, als Geisteswissenschaftlerin in der Industrie Fuß zu fassen.

In welcher beruflichen (evtl. auch privaten) Situation waren Sie?
In der absoluten Neuorientierungsphase:

Der Neuanfang in München hat bei uns bislang versteckte Energien freigesetzt und uns sehr gut getan. Als Coach würde ich heute sagen, dass das vielleicht ein paar Baustellen zu viel waren. Aber letzten Endes war die Situation halt so. Wir haben unsere Puzzlestücke für das Gesamtkunstwerk „Leben mit Freude, Kindern und erfüllenden Berufen“ zurechtgeschnitten und zusammengesetzt (und tun das in nicht mehr so extremer Form natürlich immer wieder neu). Dadurch, dass wir an vielen Rädern gleichzeitig drehen konnten, ist das Ergebnis auch wunschgerecht geworden.

Wie lange hat es bis zur Selbstständigkeit gedauert?
Mit 23 flackerte der Traum auf, eine eigene Firma zu haben, und dort mit Menschen, die ich mag zu arbeiten. Diese Idee habe ich als unrealistisch und versponnen sofort abgetan. Mit 25 habe ich meine erste Modellfirma gegründet. Und mit 30 war ich dann tatsächlich selbstständig.
Im Nachhinein sieht das geplant aus. War es aber nicht bewusst. In die tatsächliche Selbstständigkeit bin ich eher hineingestolpert:
Zum 28. Februar 2003 habe ich meine Tätigkeit für die Philips GmbH in Aachen mit einer Abfindung beendet. Am 1. März 2003 habe ich mich arbeitslos gemeldet, die Arbeitsberaterin der Agentur für Arbeit ernüchterte mich: „Akademikerin mit Teilzeitwunsch? Sie sind nicht vermittelbar!“ Zwei Wochen später habe ich als freie Mitarbeiterin für Siemens angefangen und gesehen, dass ich die zulässigen Grenzen für den Nebenverdienst überschreiten werde. Auf Anraten meiner Arbeitsberaterin habe ich dann im April 2003 eine „Ich-AG“ gegründet. Das ging sehr formlos. Ein Business-Plan war nicht nötig, es genügten ein kurzer Satz mit geplanter Geschäftsidee und die Anmeldung beim Finanzamt.

Wie lange hat die konkrete Planungsphase gedauert?
Ich habe nicht geplant. Ich habe auf Kundenwünsche reagiert. Siemens war mein erster Kunde und hat mich sehr schnell mit vielen Aufträgen versorgt. Mir war schnell klar, dass ich nicht nur einen einzigen Auftraggeber haben möchte. Wenn ich schon selbstständig bin, dann auch richtig – zumindest äußerlich. Den Briefkopf mit „Kommunikationsberatung“ habe ich mir zunächst selbst erstellt. Anfang 2004 habe ich mit meiner Designerin an einem Corporate Design für „Schreibkonzepte“ gearbeitet und Geschäftsausstattung sowie Webseite http://www.schreibkonzepte.de entwickelt.
Die inhaltliche Planungsphase habe ich im Winter 2006/2007 nachgeholt, als die Aufträge von Siemens zurückgingen und ich mich neu positioniert und mein Angebot fokussiert habe. Für meinen Unternehmensauftritt bin ich im Juli 2007 zweifach mit dem MediaAward ausgezeichnet worden – 1. Platz für meinen Kommunikationsplan und 3. Platz für meine Webpräsenz. Die Jury hat das Zusammenspiel von Corporate Design und inhaltlicher Tiefe überzeugt. Das motiviert mich sehr, weiter zu machen.

Wie lange hat es gedauert, bis Sie zum ersten Mal den geplanten/erhofften Minimal-Umsatz erreicht hatten?
In den ersten drei Jahren habe ich mir keine Umsatzziele gesetzt. Ich weiß, dass das merkwürdig klingt, aber ich kam gar nicht auf die Idee. Es lief gut. Ich habe circa 15-20 Stunden in der Woche abrechnen können. Mehr hätte ich gar nicht arbeiten können. Neben Aufträgen von Siemens kamen Einzelanfragen von Kunden – Privatpersonen und Selbstständige, die mich über das Internet gefunden haben. Die Energie, aktiver in die Akquise neuer Kunden einzusteigen, hatte ich nicht. Es war wirtschaftlich nicht nötig und familiär fing bei meinem Mann die heiße Prüfungsphase an. Erst als die Aufträge meines Hauptkunden weniger wurden und mein Mann alle Prüfungen bestanden hatte, habe ich mich mit meinen Unternehmens- und Umsatzzielen in der Tiefe auseinander gesetzt.

Was hat den Ausschlag für den Schritt in die Selbstständigkeit gegeben?
Zum damaligen Zeitpunkt hatte ich zur Selbstständigkeit keine Alternative. Heute bin ich dankbar, bereits vor vier Jahren meine Energie in diese Richtung gelenkt zu haben. Die Selbstständigkeit ermöglicht mir flexible Arbeitszeiteinteilung, qualifizierte Beschäftigung und interessante Bezahlung.
Während meiner Zeit als Angestellte in der Industrie fühlte ich mich oft wie eine Beobachterin. Wie gehen die Kollegen miteinander um, wie kommunizieren die Vorgesetzten und die Geschäftsführung untereinander und mit den Mitarbeitern? Ich fand das Produkt – Spracherkennungssoftware – interessant, aber konnte mir nicht vorstellen, dass ich mich die nächsten 40 Jahre meines Berufslebens mit Software beschäftigen möchte. Ich wollte einen Beruf, in dem meine Qualifikation mit meinem Alter wächst. In der Beraterbranche sind ältere und erfahrene Persönlichkeiten oft besonders gefragt – in Unternehmen wird es für Mitarbeiter ab 45 schwierig, eine stabile Position zu beziehen.
Ich möchte unabhängig sein von fremden Entscheidungen, die ich inhaltlich nicht gutheiße. Als Firmenangestellte bin ich davon abhängig, dass das Management auf der Produkt- wie auf der Prozessseite sorgfältig arbeitet. Die Folgen technologischer oder personeller Fehlentscheidungen der Führungsebene spürt oft die ganze Belegschaft. Massenentlassungen nach fragwürdigen Firmenverkäufen und Firmenübernahmen zeigen das immer wieder.
Die Reputation von Teilzeitkräften in Firmen ist immer noch sehr niedrig. Qualifizierte, interessante und gut bezahlte Tätigkeiten gibt es meistens nur für Vollzeitkräfte. Auf eine 50-60 Stunden-Woche habe ich mit 2 kleinen Kindern keine Lust. Jetzt arbeite ich auch viel, aber jetzt ist es MEIN Unternehmen.
Mein Berufsrisiko jetzt sind Auftragsflaute und Krankheit – von mir oder Familienmitgliedern. Bislang waren immer alle gesund. Wir hoffen einfach, dass das so bleibt. Längere Krankheiten (auch von Familienmitgliedern) wären auch als Angestellte ein Problem. Dafür haben mein Partner und ich finanzielle Reserven aufgebaut. Absolute Sicherheit ist ohnehin eine Illusion. Ich bin froh, dass ich nicht mehr 5 Tage in der Woche in das gleiche (Großraum-)Büro gehen muss. Ich mag das selbstbestimmte Arbeiten in meinem eigenen Büro, beim Kunden vor Ort und an ausgewählten inspirierenden Orten für Trainings und Coachings.

Welche Ihrer Charakterstärken haben Ihnen in der Anfangsphase geholfen? Welche Charakterstärken haben geholfen, bis heute den Weg der Selbstständigkeit durchzuhalten?

Welche Ihrer Talente haben beim Weg in die Selbstständigkeit geholfen?

Woher kam das Geld zum Leben in der Anfangszeit, bevor Sie erstes Geld in der Selbstständigkeit verdient haben?
Die Selbstständigkeit war von Anfang an einträglich. Zusätzlich zu meinen Umsatz-Einnahmen erhielt ich von der Agentur für Arbeit im ersten Jahr den monatlichen Existenzgründerzuschuss in Höhe von 600 €, im zweiten Jahr 360 € und im dritten 240 €. Davon muss ich allerdings Beitrage für die BfA und die Krankenkasse in Höhe von circa 200 € monatlich abführen.
Meine Selbstständigkeit ist eine Teilzeit-Selbstständigkeit. Ich musste davon nicht den Lebensunterhalt meiner vierköpfigen Familie bestreiten. In den ersten 3 Jahren hätte ich das vom Auftragsvolumen aber tun können, wenn mein Partner und ich die Rollen getauscht hätten. Mein Verdienst war wichtig für unseren Lebensunterhalt, den wir im ersten Jahr von seinem relativ geringen Ausbildungsgehalt das Leben in einer teuren Stadt wie München nicht komplett hätten finanzieren können.
Was dieses Jahr 2007 bringen wird – das erste Jahr mit Umsatzzielen und Angebotsfokus – wird sich zeigen.

Hatten Sie Ratgeber (Menschen/Firmen/Bücher/Computerprogramme)? Welche waren besonders wichtig?
In der Vergangenheit wurden in folgenden Workshops und Beratungen Grundsteine gelegt:

Vor welchen Herausforderungen standen Sie beim Schritt in die Selbstständigkeit? Welche Veränderungen/Probleme gab es?
Da der Beginn der Selbstständigkeit in einer Phase der kompletten Neuorientierung lag, fiel nicht weiter auf, wie anstrengend die Gründungsphase war. Arbeiten am Abend oder am Wochenende fand ich nicht schlimm. Ich war froh in der Zeit, in der das Kind (und später die zwei Kinder) schliefen, etwas zu tun, was mich weiter bringt. Mein Partner musste damals viel lernen und so hatten wir beide etwas zu tun.
Das Thema „Zeitmanagement und Trennen von Beruf und Privatleben“ ist ein fortlaufender Prozess. Ich bin dabei, dieses Thema von vielen Seiten her anzugehen:

Wie oft haben Sie gedacht: „Es gelingt einfach nicht wie geplant, ich könnte/sollte eigentlich aufgeben“? Warum haben Sie doch nicht aufgegeben?
Ans Aufgeben habe ich die ganze Zeit nie konkret gedacht – es lief ja.
Vor der Abgabe des Kommunikationskonzeptes für den MediaAward habe ich aber überlegt, ob die Geschäftsidee auch tatsächlich taugt. Es war eine Stress-Situation: Der Computer hat gestreikt, ich habe mir für dieses eigene Schreibprojekt keinen Projektplan gemacht und das bitterlich bereut, war mit dem Layout meiner eigenen Arbeit nicht zufrieden. Und so was passiert dem Schreibcoach … Ich wollte den Kommunikationsplan nicht abgeben und habe ernsthaft überlegt, ob ich mir in den letzten Jahren mit meiner Geschäftsidee was vorgemacht habe.
Ich habe dann aber doch abgegeben – und gewonnen. Das tut meinem Selbstwertgefühl sehr gut. Eine unabhängige Jury hat das Unternehmenskonzept begutachtet und für gut befunden. Es war wichtig für mich nach den Wochen der unbezahlten Arbeit am eigenen Geschäftskonzept, mich der Kritik von außen zu stellen. Das gute Ergebnis gibt mir Motivation für weitere Akquise.
Wenn Zweifel kommen, aktiviere ich mein Gottvertrauen: „Wenn der liebe Gott möchte, dass es so funktioniert, dann wird es das auch. Wenn nicht, wird mir wohl was anderes einfallen.“

Welche Ängste hatten Sie auf dem Weg/haben Sie bis heute? Wann und warum haben Sie an der Richtigkeit des Weges gezweifelt?
Das Schwierigste ist es, die Selbstzweifel in einem gesunden Maß zu halten. Reicht die eigene Kompetenz – fachlich und methodisch? Aus diesem Grunde besuche ich regelmäßig Fortbildungen, gehe in Supervision und ins Tandem-Coaching.

Gibt es etwas, was Sie sich zur Erleichterung der ersten Schritte gewünscht hätten?

Sind Sie der Meinung, dass es Menschen gibt, die sich eher nicht selbstständig machen sollten?
Menschen, den ein familiäres oder soziales Umfeld fehlt, das sie trägt – emotional und finanziell.
Ich würde mich nicht direkt nach Schule oder Studium selbstständig machen. Lieber im geschützten Rahmen Anfänger-Fehler machen. Das habe ich damals auch gelesen und es hat mich damals überzeugt, die Stelle bei Philips anzunehmen anstatt Freelance-Kommunikationsexpertin zu werden. Das klang zwar nach mehr Seele, aber wäre unvernünftig gewesen. Weil ich Industrie-Erfahrung bei Philips gesammelt hatte, war ich in München für Siemens interessant. Mit Siemens als Kunden kann ich leichter als Schreib- und Kommunikationsberaterin für Fach- und Führungskräfte Fuß fassen, als eine reine Geisteswissenschaftlerin frisch von der Uni.

Gibt es Menschen, die sich unbedingt selbstständig machen sollten?
Menschen, die ihre Freiheit und Unabhängigkeit lieben. Die es nicht aushalten können, wenn sie Spielball von undurchsichtigen Entscheidungen der Chefetage sind. Sie brauchen aber unbedingt ein marktfähiges Angebot und Kundenorientierung.

Welche Gefahren lauern, wenn sich die ersten Erfolge eingestellt haben?

Welche positiven Inspirationen hat der Schritt in die Selbstständigkeit gebracht?
Meine persönliche Entwicklung wird von der beruflichen Selbstständigkeit beständig unterstützt. Das zu beobachten ist sehr spannend.
Mittlerweile sind mein Partner und ich beide selbstständig. Es tut uns und unsere Beziehung gut, dass wir in vielen Hinsichten selbstständig sind. Für uns ist die beiderseitige Selbstständigkeit die optimale Vorraussetzung um Kinder, Beruf und Partnerschaft zu kombinieren.

Ihre drei Tipps für zukünftige NeugründerInnen

  1. Kundenorientierung: Was braucht der Markt? Kundenbedürfnisse kennen.
  2. Berufliche Dienstleistung von der eigenen Person trennen – räumlich, zeitlich, emotional.
  3. Finanzielle Situation durchleuchten – mit professioneller Unterstützung durch Steuerberater.

 

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