Dr. Karin Uphoff, 46 Jahre alt, selbstständig seit 4 Jahren.
Wie groß ist Ihre Firma? (Mitarbeiter/Umsatz)
10 Mitarbeiterinnen (größtenteils Teilzeit), Umsatz ca. 600.000 Euro
In welcher Rechtsform ist die Firma organisiert?
Keine Rechtsform – läuft als Selbstständigkeit
Was genau war die anfängliche Geschäftsidee?
Was für ein Angebot an die Kunden hat sich aus der anfänglichen Geschäftsidee entwickelt?
Unser Unternehmen hat heute 3 Arbeits-Schwerpunkte:
Erzählen Sie uns von den Anfängen Ihres Weges in die Selbstständigkeit:
Ursprünglich hatte ich vorgehabt, nach vielen anstrengenden Jahren des Nebeneinanders von Beruf und Familie eine Pause einzulegen. Ich hatte zu dem Zeitpunkt 17 Jahre als PR- und Marketing-Managerin – zuletzt mit großer Budget-Verantwortung – hinter mir, nebenbei promoviert und 6 Kinder bekommen. So ein Break würde mir gut tun, dachte ich damals. Während der Zeit würde ich ein bisschen freiberuflich als Journalistin arbeiten und mir dabei überlegen, was ich künftig machen will.
Dann kam es aber doch anders: Nachdem ich meinen Ausstieg verkündet hatte, fragte ein Kunde, ob ich Lust hätte, ihn – dann freiberuflich – weiterzubetreuen. Nach kurzem Zögern dachte ich, es könnte nicht schaden, die Kontakte zu wahren, und sagte zu. Weitere Anfragen folgten und schon nach einem halben Jahr konnte ich die Arbeit nicht mehr alleine bewältigen. Also suchte ich mir eine Sekretärin. Und dann brauchte ich noch eine Journalistin. Und eine Grafikerin. Und … tja, aus dem Break wurde also nichts – heute habe ich 9 Mitarbeiterinnen.
Wann haben Sie den Gedanken an Selbstständigkeit zum ersten Mal gefasst?
1999 – nach der Geburt unseres 6. Kindes – hatte ich meine Stundenzahl bei meinem damaligen Arbeitgeber reduziert und „nebenher“ eine Praxis zur Ernährungsberatung eingerichtet (ich bin von Haus aus Ökotrophologin). Aber: Zum einen merkte ich bald, dass dies auf Dauer nichts für mich ist und mein Herz viel stärker für PR und Marketing schlägt. Zum anderen bot mir mein damaliger Chef eine sehr attraktive Leitungsfunktion an, so dass ich 2000 doch wieder komplett in die feste Anstellung ging. Aber die Sehnsucht nach freiberuflicher Tätigkeit blieb …
In welcher beruflichen (evtl. auch privaten) Situation waren Sie?
Im Prinzip war ich zu der Zeit beruflich und privat zufrieden: Ich hatte eine interessante berufliche Position und eine nette Familie mit Mann und sechs Kindern. Aber die Vorstellung, dass sich nun für die nächsten Jahre nichts mehr tun würde (beruflich hätte ich ohne Umzug nicht weiterkommen können und die Familienplanung war abgeschlossen), erzeugte in mir ein sehr ungutes Gefühl. Das konnte es doch noch nicht gewesen sein?! Außerdem wollte ich eine bessere Vereinbarkeit von Beruf und Familie. Dabei ging es mir nicht darum, mehr Zeit zu haben, sondern eine höhere zeitliche Flexibilität.
Wie lange hat es bis zur Selbstständigkeit gedauert?
Von der ersten richtig ernst zu nehmenden Überlegung bis hin zur Selbstständigkeit: 6 Monate.
Wie lange hat die konkrete Planungsphase gedauert?
Vielleicht 1 bis 2 Monate. Ich bin da eher spontan vorgegangen: habe ein kleines Büro in der Nachbarschaft gemietet, das Equipment angeschafft und losgelegt … Ich wollte ja zunächst nur im Kleinen tätig sein.
Wie lange hat es gedauert, bis Sie zum ersten Mal den geplanten/erhofften Minimal-Umsatz erreicht hatten?
Ich hatte mir keinen Businessplan aufgestellt und auch keine Zahlen als Ziel gesetzt. Ich wollte einfach mal probieren, ob/wie es so klappt. Ich habe dann direkt im ersten Geschäftsjahr schwarze Zahlen geschrieben.
Was hat den Ausschlag für den Schritt in die Selbstständigkeit gegeben?
Ich wollte noch mehr kennenlernen, was anderes machen und Beruf mit Familie besser in Einklang bringen; außerdem reizte mich die Aussicht, einmal alles auf eigene Verantwortung zu managen und zu prüfen, ob ich es allein schaffen kann.
Welche Ihrer Charakterstärken haben Ihnen in der Anfangsphase geholfen? Welche Charakterstärken haben geholfen, bis heute den Weg der Selbstständigkeit durchzuhalten?
Optimismus, Entscheidungsfreudigkeit, hohe Belastbarkeit, Mut, Flexibilität, Kontaktfreude, Begeisterungsfähigkeit
Welche Ihrer Talente haben beim Weg in die Selbstständigkeit geholfen?
Langjährige Erfahrungen in der Branche, schnelle Auffassungsgabe, Erkennen von Trends und Möglichkeiten, Kreativität
Woher kam das Geld zum Leben in der Anfangszeit, bevor Sie erstes Geld in der Selbstständigkeit verdient haben?
Ich hatte etwas angespart (davon habe ich die „Erstausstattung“ gekauft), habe ein kleines Überbrückungsgeld vom Arbeitsamt bekommen und ansonsten auf Kosten meines Mannes gelebt (die ersten 3 Monate, dann kam Geld rein).
Hatten Sie Ratgeber (Menschen/Firmen/Bücher/Computerprogramme)? Welche waren besonders wichtig?
Für die Entscheidungsfindung selbst war das Seminar „Sich beruflich und privat weiterentwickeln“ mit Doris Hartmann sehr hilfreich für mich: Dabei ist mir klar geworden, dass ich mich „unbedingt“ selbstständig machen möchte. Und es hat mir den Mut gegeben, dass ich es auch schaffen kann. Dass ich aber besser nicht mit „ganz etwas Anderem“ als bisher starte (dies war mein ursprünglicher Plan: ich hatte eine DISG-Ausbildung absolviert und wollte etwas in Richtung Coaching machen), sondern dass es eine wesentlich größere/schnellere Erfolgschance gibt, wenn ich meine bisherigen Kontakte und Erfahrungen nutzen kann.
Übrigens habe ich bei dem Seminar auch zum ersten Mal vom Managerinnen-Netzwerk EWMD gehört, das für mich dann in meiner Selbstständigkeit sehr wichtig geworden ist. Über den EWMD habe ich mutige, interessante, engagierte Frauen kennen gelernt, mit denen ich mich austauschen kann; außerdem bekomme ich über das Netzwerk viele Anregungen, auch für meine berufliche Weiterentwicklung.
Bezüglich der finanziellen Fragen hatte ich schon vorher einen guten Steuerberater, der mich auch bei dem Schritt in die Selbstständigkeit begleitet hat. Darüber hinaus habe ich mich intensiv bei Fachleuten informiert, wie ich mich am besten absichere und versichere. Vieles habe ich mit meinem Mann besprochen, der eher ein Vorsichtiger ist – das hat mich vor allzu großem Optimismus bewahrt.
Vor welchen Herausforderungen standen Sie beim Schritt in die Selbstständigkeit? Welche Veränderungen/Probleme gab es?
Die allergrößte Herausforderung für mich war, mich hinzustellen und zu sagen: Das bin ich, das kann ich und dafür möchte ich soundsoviel Geld. Plötzlich war es nicht mehr die Agentur, die für ihre sehr gute Leistung bezahlt werden wollte, sondern ICH mit MEINER Leistung.
Da ist mir erst einmal klar geworden, wie sehr ich doch „typisch weiblich“ agiere: bloß nicht zu viel von mir darstellen, immer nett bescheiden bedeckt halten mit den eigenen Leistungen etc. Ich musste in diesem Punkt am Anfang viel Selbstbewusstsein lernen – und bin auch immer noch dabei, daran zu arbeiten.
Das Alleinsein war anfangs auch schwierig. Niemanden zu haben, mit dem man knifflige Fragen diskutiert – oder auch: mit dem man sich über einen Erfolg gemeinsam freuen kann! Das ist wesentlich besser geworden, seit ich Mitarbeiterinnen habe. Dennoch ist man als Chefin natürlich immer „allein“.
Ob ich wirklich stärker belastet bin oder mehr arbeite, kann ich gar nicht so sagen. Ich habe mich auch früher schon 120-prozentig in meine Jobs gekniet. Jetzt macht es mir aber weniger aus, weil ich finanziell selber davon profitiere, wenn ich viel arbeite.
Wie oft haben Sie gedacht: „Es gelingt einfach nicht wie geplant, ich könnte/sollte eigentlich aufgeben“? Warum haben Sie doch nicht aufgegeben?
Die ersten 3 Jahre lief alles super – da habe ich nicht ein einziges Mal an Aufgeben gedacht. Im vergangenen Winter kamen dann etliche finanzielle Belastungen zusammen: ein Kunde, der nicht bezahlte, die beiden am besten eingearbeiteten Mitarbeiterinnen schwanger, eine gut ausgebildete und daher teure Mitarbeiterin, für die ich nicht genug Aufträge heranholen konnte … Das alles hat mich viel Geld gekostet, so dass ich schon manches Mal dachte: Wofür reibe ich mich eigentlich so auf, wenn finanziell nicht genügend dabei herumkommt? Aber dann hat mich der Ehrgeiz gepackt, und nun sind wir wieder in ruhigerem Fahrwasser. Dies hat mir aber auch gezeigt: Selbstständigkeit ist hoch riskant. Da braucht man starke Nerven …
Welche Ängste hatten Sie auf dem Weg/haben Sie bis heute? Wann und warum haben Sie an der Richtigkeit des Weges gezweifelt?
Angst, dass es nicht klappt, hatte ich nie – meine Pläne waren ja anfangs nicht so riesig. Auch den Weg in die Selbstständigkeit habe ich nie in Frage gestellt. Nur über die Größe des Unternehmens habe ich häufig nachgedacht. Ich bin auch heute noch nicht endgültig entschieden, ob ich bei dieser Größe bleiben oder noch weiter ausbauen möchte.
Gibt es etwas, was Sie sich zur Erleichterung der ersten Schritte gewünscht hätten?
Nein, ich habe so schon kaum die vorhandenen Angebote genutzt. Ich habe mir gar nicht so intensiv Gedanken darüber gemacht, was alles berücksichtigt werden müsste. Ich hatte das Gefühl, dass alles schon nicht so schwer sein würde und dass ich das gut ohne fremde Hilfe hinbekomme. Im Nachhinein muss ich sagen: Die ein oder andere Info hätte mir schon genutzt … Aber es hat dann ja auch so geklappt.
Sind Sie der Meinung, dass es Menschen gibt, die sich eher nicht selbstständig machen sollten?
Ja, absolut. Wer zögerlich oder eher ängstlich ist und keine Begeisterungsfähigkeit besitzt, wer keine Visionen entwickeln kann oder eher einen pessimistischen Blick auf die Dinge wirft – für den/die ist es sicherlich mühsamer. Alter, Geschlecht etc. finde ich hingegen weniger entscheidend.
Gibt es Menschen, die sich unbedingt selbstständig machen sollten?
Nein, würde ich so pauschal nicht sagen. Es kommt auf die Kombination von Lebenswünschen, familiärer Situation, Träumen, eigenen Fähigkeiten, Marktchancen etc. an.
Welche Gefahren lauern, wenn sich die ersten Erfolge eingestellt haben?
Wenn alles glatt läuft, besteht die Gefahr, dass man meint, es ginge nun von selbst so weiter. Man wird möglicherweise leichtfertiger in den Entscheidungen oder auch unsensibler, was neue Trends, Rückmeldungen von den Mitarbeitern oder den Kunden anbelangt.
Außerdem kehrt nach anfänglicher Euphorie irgendwann die Routine ein. Hier muss man wachsam bleiben, was den eigenen Aufgabenbereich angeht: Kann ich noch mehr delegieren? Traue ich meinen Mitarbeitern genug zu? Höre ich auf sie? Sind bei mir in Bezug auf die Projekte/Kunden etc. Ermüdungserscheinungen erkennbar? Habe ich genügend neue Herausforderungen? Hole ich mir genügend Impulse von außen?
Welche positiven Inspirationen hat der Schritt in die Selbstständigkeit gebracht?
Da gibt es eine Reihe von positiven Effekten.
Ihre drei Tipps für zukünftige NeugründerInnen
