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Elke Lässig
Visionen für Arbeitssuchende: Heute schon tun, was man beruflich in 5 Jahren machen möchten

Name: Elke Lässig, Alter: 42

Wie lange sind Sie schon selbstständig?
Seit September 2006

Wie heißt Ihre Firma?
Institut für Vermittlungscoaching Wiesbaden

Wie groß ist Ihre Firma? (Mitarbeiter/Umsatz)
Seit 01.01.2007: 3 Mitarbeiter und 1 Freiberufler
Seit 01.07.2007: 6 Mitarbeiter, 1 Freiberufler, 4 Teilzeitkräfte

In welcher Rechtsform ist die Firma organisiert?
Einzelunternehmen

Was genau war die anfängliche Geschäftsidee?
Hartz-IV-Empfänger unterstützen, wieder eine Arbeit zu finden und damit die Unabhängigkeit von staatlichen Leistungen erreichen. Die Vergütung erfolgt nur im Erfolgsfall und dann ratenweise über ein Jahr verteilt. Verliert jemand im Laufe eines Jahres seine Arbeitsstelle, kommt er wieder zu uns. Es erfolgt keine Doppelvergütung.
Methode: Ermitteln der beruflichen Vision in 5 Jahren, Stolpersteinarbeit, individuelle Selbstvermarktungsstrategie erarbeiten, Unterstützung/Begleitung bis zum Ziel

Was für ein Angebot an die Kunden hat sich aus der anfänglichen Geschäftsidee entwickelt?
Diese Methode lässt sich auch auf andere Zielgruppen übertragen. Seit September 2007 gibt es die GERONAUTEN. Sie betreuen Menschen über 55 Jahren, die sich auf die Rente zu bewegen oder schon im Vorruhestand sind. Damit können wichtige Wissensinhalte für die Firma erhalten bleiben und die ehemaligen Mitarbeiter werden unterstützt, sich Kindheitsträume zu erfüllen und frühere Berufswünsche wahr werden zu lassen.

Erzählen Sie uns von den Anfängen Ihres Weges in die Selbstständigkeit: Wann haben Sie den Gedanken an Selbstständigkeit zum ersten Mal gefasst?
Ich habe bereits im Sommer 1992 (mit 27 Jahren) das erste Mal ein Seminar für UnternehmensgründerInnen besucht. Damals habe ich mich als Farb- und Stilberaterin nebenberuflich versucht. Seit meiner Eheschließung und dem damit verbundenen Umzug ein Jahr später hatte ich keinen Raum mehr zur Verfügung und führte die Selbstständigkeit nicht weiter.
Ich besuchte 1993 einen Lehrgang „Trainer des sozialpsychologischen Trainings“ und Rhetorikseminare an der VHS. Der Dozent ließ mich einzelne Parts der Seminare übernehmen. Das war mein Beginn als nebenberufliche Dozentin. Neben der 40 Stunden Arbeitswoche und unserem Hausbau bereitete ich Seminarinhalte vor und war Dozentin (anfangs „Zeitmanagement“ für Erwachsene und Schüler, später deutschlandweit bei IHK’s „Fachkraft für Personalvermittlung“).
Im Jahr 2003 habe ich mir ein ausführliches Horoskop von einer Astrologin anfertigen lassen. Sie meinte, mein Weg sei die Selbstständigkeit. Alles andere würde mich einschränken. Seit dem fühlte ich bestätigt, was ich schon immer geahnt hatte.
Als meine Tochter mich mit 40 Jahren zur Oma machte und selbst eine Familie gründete, gab sie mir die Freiheit, mich voll um mich und meine Wünsche zu kümmern. Am ersten Geburtstag meines Enkels eröffnete ich mein eigenes Institut. Auf 200 qm standen ca. 60 Computer mit Internetzugang und die ersten ca. 37 Arbeitsuchenden standen um 8.00 Uhr vor mir und warteten auf Unterstützung, wieder eine Arbeit zu finden. Gut, dass ich 10 Jahre geübt hatte, vor und mit vielen Menschen zu reden. Edutainment! Im ersten Monat hatten wir keinen Erfolgsfall. Vom zweiten Monat an im Durchschnitt jeden zweiten Werktag einen Erfolgsfall: einen neuen Arbeitsvertrag.

In welcher beruflichen (evtl. auch privaten) Situation waren Sie?
Ich hatte in einem Projekt in München mitgearbeitet, das seinem Ende zuging. Da schon erste Verhandlungen seit Januar 2006 mit der Stadt Wiesbaden zum Aufbau meines Institutes liefen, überbrückte ich die Zeit bis es endlich im Oktober 2006 losging mit angestellten Tätigkeiten. Ein paar Tage als Arbeitsvermittler bei einer Arge, 3 Monate als Fallmanager in einer anderen Kommune in Hessen und 3 Monate im gleichen Ort beim Arbeitgeberservice als Außendienstmitarbeiterin für Firmenbesuche und Aquise offener Arbeitsstellen. Ich hatte damit Einblick in die Tätigkeitsabläufe meiner zukünftigen Partner (nur in anderen Städten). Meine Wohnung in Berlin hatte ich schon lange aufgelöst. Meine Tochter wohnte in ihrer eigenen Wohnung mit ihrer Familie. Meine Scheidung war schon 5 Jahre her. Meinen biologischen Daseinzweck hatte ich erfüllt. Ich war bereit, meine gesamte Zeit, Energie und Kreativität in meine Selbstständigkeit, mein Institut zu investieren.

Wie lange hat es bis zur Selbstständigkeit gedauert?
Wie man es rechnet: 41 Jahre, weil mein Geburtshoroskop es eh schon vorsah …
Oder seit meinem ersten Versuch mit 27 Jahren: 14 Jahre.
Oder seit dem ersten Gespräch mit meinem jetzigen Auftraggeber: 8 Monate.
Oder von der Unterschrift unter den Vertrag mit meinem jetzigen Auftraggeber bis die ersten Arbeitsuchenden kamen: 6 Wochen.

Wie lange hat die konkrete Planungsphase gedauert?
In den 6 Wochen von der Vertragsunterschrift bis zum Start waren meine Aufgaben: ein passendes Objekt finden, Mietvertrag aushandeln und unterschreiben, Wände rausreißen, Tische selber bauen, Computer und Flachbildschirme über E-Bay kaufen, Geld besorgen (auf Leasing ließ sich keine Firma ein), Netzwerk aufbauen, … Am 04.10.2006 als die ersten Teilnehmer kamen, war die Farbe an den Wänden noch am trocknen.
Nach dem Start kamen alle 14 Tage immer weitere Teilnehmer. So haben wir innerhalb des ersten Monats eine weitere Etage mit 200 qm nebenbei ausgebaut. Am 01.11.2006 bezogen wir mit 22 neuen Teilnehmern die neue Etage, 14 Tage später mit weitern 28 Teilnehmern den vierten Gruppenraum. Jetzt waren ca. 90 Menschen bei uns. Jeden Tag von 8.00 – 16.00 Uhr. Der Betrieb lief auf vollen Touren nach 1,5 Monaten.

Wie lange hat es gedauert, bis Sie zum ersten Mal den geplanten/erhofften Minimal-Umsatz erreicht hatten?
Ich hatte keinen Businessplan, nur eine ungefähre Vorstellung von dem was getan werden muss. Es kam durch die kontinuierlichen Erfolgsfälle (abgeschlossene Arbeitsverträge) immer so viel Geld rein, dass ich die laufenden Kosten bezahlen konnte. Einen Überschuss gibt es zwar auf dem Papier, aber überschüssiges Geld investiere ich sofort wieder in die ständige Leistungssteigerung und in die Erweiterung der Methode auf weitere Geschäftsfelder.

Falls Sie noch nicht so weit sind: Was denken Sie, wann werden Sie den geplanten Minimal-Umsatz erreichen?
Keine Ahnung, wie sich der Umsatz entwickelt.

Was hat den Ausschlag für den Schritt in die Selbstständigkeit gegeben?
Es gab nicht den einen Punkt. Es war eine Frage der Zeit, wann sich eine Chance bot. Ich habe viele Jahre daraufhin gearbeitet: mir das nötige Wissen einer für mich neuen Branche angeeignet (5 Jahre), neues aktuelles Methodenwissen (7 Jahre). Was man beim Psychologiestudium lernt, hilft in der täglichen Praxis nur bedingt.
Ich habe die körperlichen Voraussetzungen geschaffen:

Mein Geld habe ich vollständig in den Wissenserwerb und mein Erscheinungsbild investiert. Ich habe in mich investiert. Von der kleinen grauen Maus zur ernstzunehmenden Unternehmerin. Persönlichkeitsentwicklung verlangt Ausdauer und Ehrgeiz.

Welche Ihrer Charakterstärken haben Ihnen in der Anfangsphase geholfen? Welche Charakterstärken haben geholfen, bis heute den Weg der Selbstständigkeit durchzuhalten?
Der unbändige Wille zum Erfolg gepaart mit dem unerschütterlichen Glauben an mich selbst. Außerdem:
Eine ordentliche Portion Naivität: Es wird schon irgendwie klappen.
Ich habe einen guten Stern, der auf mich aufpasst. Den hatte ich schon immer.
Der Glaubenssatz: Mir fällt immer eine Lösung ein.
Ich hatte nichts zu verlieren. Mein Eigenkapital war mein letztes Gehalt in Höhe von 1.500 Euro.
Ich habe drei Freunde: mein Auto, mein Laptop und mein Handy. Mein Auto mit Navigationsgerät schenkt mir Freiheit, mein Laptop den Zugang zum Wissen der ganzen Erde und mein Handy ermöglicht mir die Kommunikation mit der ganzen Welt. Ich kann auch wieder einen angestellten Job finden, wenn die Selbstständigkeit nicht gelingt. Diese emotionale Unabhängigkeit gibt mir eine Basis, auf der ich alles probieren kann.

 Welche Ihrer Talente haben beim Weg in die Selbstständigkeit geholfen?
Vor allem mein gesunder Menschenverstand.
Ich bin in der Lage, mich innerhalb kurzer Zeit zu regenerieren. Das braucht man für eine Arbeitszeit von 8.00 – 22.00 Uhr ohne echte Pause zwischendurch. Ich wertschätze die mich umgebenden Menschen und bin stets auf der Suche nach ihren Stärken und Talenten. Sowohl bei den Arbeitsuchenden als auch bei den Mitarbeitern.
Ich über mich in dem Satz: Erwische sie, wenn sie es richtig machen und lobe sofort. Während der Selbstständigkeit ist mir aufgefallen, dass ich kreativ bin. Das hatte ich vorher so intensiv nicht wahrgenommen.
Meine Astrologin sagte damals zu mir, ich wäre schneller als die meisten anderen Menschen. Das kommt mir jetzt zu Gute. Ich muss mich täglich mit sehr vielen unterschiedlichen Themen beschäftigen und schnelle Lösungen finden. So bin ich in der Lage auf mehreren gedanklichen Baustellen gleichzeitig tätig zu sein und es wirkt bei jeder einzelnen Baustelle, als hätte ich ein ganz normales Tempo.
Meine sympathische Ausstrahlung kommt mir sehr zu Gute.

Woher kam das Geld zum Leben in der Anfangszeit, bevor Sie erstes Geld in der Selbstständigkeit verdient haben?
Aus dem Bankkredit. Ich habe keine Unterstützung von staatlicher oder familiärer Seite bekommen.

Hatten Sie Ratgeber (Menschen/Firmen/Bücher/Computerprogramme)? Welche waren besonders wichtig?
Ich hatte ein Vorbild. Kein besonders Gutes, aber es half: Das Institut in München hat nach dieser Methode gearbeitet. Inzwischen gibt es das Institut in München nicht mehr. Ein Mitarbeiter aus München hat mich in den ersten zwei Monaten beim Aufbau der Strukturen, der Betreuung der Arbeitsuchenden und der Mitarbeiterauswahl unterstützt. So konnte ich einiges an Know-how aus München verwenden. Ich habe von Anfang an gleich alles auf meine Firma angepasst, weiterentwickelt und Neues dazu genommen.
Das Buch „Erfolgreiche Führung gegen alle Regeln“ von Marcus Buckingham und Curt Coffman, campus-Verlag ist prima.
Das Kassettenprogramm „Die 12 Geheimnisse des beruflichen Erfolges“ von Alexander Christiani hat mich vor ein paar Jahren schon inspiriert. Und „Der Weg zur finanziellen Freiheit“ von Bodo Schäfer hat mich angeregt.

Vor welchen Herausforderungen standen Sie beim Schritt in die Selbstständigkeit? Welche Veränderungen/Probleme gab es?
Das Geld von der Bank war viel zu wenig. Das stellte sich sehr schnell heraus. Ich musste weiteres Geld von privaten Investoren generieren. Nebenbei!
Die Frage nach dem Urlaub stellt sich im ersten Gründungsjahr nicht, und um Familie brauchte ich mich nicht kümmern.
Hinderlich waren Gesetzesvorgaben nach hohen Toilettenzahlen, die tatsächlich nicht gebraucht werden, aber weitere unvorhergesehene Investitionen verlangten.
Ich benötigte für eine gute Unterstützung der Arbeitsuchenden wesentlich mehr und besser geschultes Personal als geplant. Daher habe ich kurzfristig selbst einen Ausbildungsgang über die IHK organisiert und mir mein zusätzliches Personal dadurch auswählen können.

Wie oft haben Sie gedacht: „Es gelingt einfach nicht wie geplant, ich könnte/sollte eigentlich aufgeben“? Warum haben Sie doch nicht aufgegeben?
Diesen Gedanken hatte ich zweimal für je eine Stunde. Das lag an der Umstellung der Stadt auf ein neues Softwareprogramm. Dadurch wurden meine Rechnungen wesentlich später bezahlt als geplant, und ich musste in den Dispo gehen, um die Gehälter meiner Mitarbeiter bezahlen zu können.
Nicht aufgegeben habe ich wegen meines Glaubenssatzes: Ich finde für jedes Problem eine Lösung.

Welche Ängste hatten Sie auf dem Weg/haben Sie bis heute? Wann und warum haben Sie an der Richtigkeit des Weges gezweifelt?
Ich bin mir keiner Ängste bewusst. An der Richtigkeit habe ich noch nicht gezweifelt. Und wenn sich der Weg als nicht richtig heraus stellen sollte, dann nehme ich einfach eine andere Abbiegung als geplant und mache dort weiter.

Gibt es etwas, was Sie sich zur Erleichterung der ersten Schritte gewünscht hätten?
Mehr Geld vom ersten Tag an, um nicht über die Beschaffung nachdenken zu müssen. Diese Gedanken hätte ich lieber in Ideen für den Geschäftsaufbau gesteckt.
Ich habe mir die Unterstützung geholt, die ich brauchte. Als ich neu in die Stadt kam (mit Auto, Laptop, Handy und einer Isomatte als Bett), kannte ich nur eine Person, die vorher in München gearbeitet hat und maßgeblichen Anteil daran hatte, dass der Auftrag mit der Stadt zustande kam. Ich habe mich einfach durchgefragt, bis ich jeweils an der richtigen Adresse war, bei der ich die Unterstützung bekam, die ich brauchte. Das Liegenschaftsamt hat mich unterstützt bei der Raumsuche, die Wirtschaftsjunioren haben mir sehr geholfen bei dem Kontakt zur IHK, später das Netzwerk vom Forum Kiedrich beim Aufbau der GERONAUTEN.

Sind Sie der Meinung, dass es Menschen gibt, die sich eher nicht selbstständig machen sollten?
Nur wer den intensiven Wunsch aus sich selbst heraus verspürt, sich selbstständig machen zu wollen, sollte es auch tun. Das ist völlig unabhängig vom Alter. Innere Stärke, der Glaube an sich und gute Berater (in höherem Alter kann man auch sein eigener Berater sein) gepaart mit einer guten Idee reichen aus. Die Idee muss nicht neu sein. Der Gründer sollte nur begeistert davon sein und sich dauerhaft (das bedeutet ständige Weiterentwicklung) unterscheiden von anderen, die dasselbe am gleichen Ort machen.

Gibt es Menschen, die sich unbedingt selbstständig machen sollten?
Es sollte sich selbstständig machen:

Welche Gefahren lauern, wenn sich die ersten Erfolge eingestellt haben?
Weiß ich noch nicht aus eigener Erfahrung. Wenn die eigene Idee gut und einfach zu duplizieren ist:

Eine Gefahr sehe ich darin, süchtig zu werden nach den Erfolgen aus der eigenen Kreativität. Denken macht mir so viel Spaß, dass ich vielleicht irgendwann nur noch an Arbeit denke. Ich glaube, ich bin auf dem besten Weg dahin. Oder schon da? Eine Sucht ist auch schön.

Welche positiven Inspirationen hat der Schritt in die Selbstständigkeit gebracht?
Ich habe den Spaß am eigenen Denken und der Kreativität entdeckt. Das konnte ich vorher auch, aber da hat es noch nicht so viel Spaß gemacht. Ich nehme mir jetzt die Zeit dafür, mache es mit Mitarbeitern gemeinsam und deswegen kommt auch was Geniales dabei raus.
Mitarbeiterführung ist mein nächstes Thema, mit dem ich mich intensiver beschäftigen werde. Ohne die Selbstständigkeit wäre das wohl jetzt noch nicht als Thema auf mich zugekommen.
Familie und Partnerschaft sind für mich keine interessanten Themen. Auf meine Tochter bin ich sehr stolz, wie sie ihr Leben meistert. Sie ist gerade 19 Jahre und einfach toll. Sie erlebt aus der Ferne mit, was ich tue, und es wird ihr Leben beeinflussen.

Ihre drei Tipps für zukünftige NeugründerInnen

  1. Sei der/die Beste in Deiner Branche und/oder schaffe etwas, was in dieser Kombination noch nicht da war und/oder befriedige ein vorhandenes Bedürfnis auf eine neue Art und Weise.
  2. Fang an. Halte durch, wenn Du Spaß daran hast. Ändere Deine Strategie, wenn Du merkst, es funktioniert so nicht.
  3. Der gesunde Menschenverstand ist der beste Ratgeber. Wenn dein eigener Verstand gerade keine Antwort weiß, frage Dein Netzwerk.

 

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Elke Lässig

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