Claudia Carbo Christine Hoffmeister Christiane Jung Erika Wendland Elke Lässig
iris Dettweiler Monika Meyer Petra Bock Judith Kneiding Sabiene Döpfner Karin Uphoff Sissi Closs Stefanie Marek Christa Fellner
Nicole Retter Melanie von Graeve Alexandra Haas Elke Brunner

Christine Hoffmeister
Die Mode-Designerin mit dem großen Respekt vor der Weiblichkeit

Christine Hoffmeister, 45 Jahre

Wie lange sind Sie schon selbstständig?
Seit 1991 – 16 Jahre

Wie heißt Ihre Firma?
Atelier Christine Hoffmeister

Wie groß ist Ihre Firma? (Mitarbeiter/Umsatz)
Einzelunternehmen

In welcher Rechtsform ist die Firma organisiert?
Als Einzelunternehmen mit künstlerischem Schwerpunkt.

Was genau war die anfängliche Geschäftsidee?
Aus hochwertigen und teilweise einmalig angefertigten Stoffen passgenaue Kostüme, Hosenanzüge und Abendroben nach Maß entwerfen und anfertigen. Philosophie: Jedes Teil ist ein Unikat. Damals brachten Kunden sehr aufwendige Stoffe z.B. aus Venedig und Florenz mit, um sich daraus unverwechselbaren, einmaligen Luxus zum Wohlfühlen anfertigen zu lassen.

Was für ein Angebot an die Kunden hat sich aus der anfänglichen Geschäftsidee entwickelt?
Hochwertige Anlassmode nach Maß – Hochzeitskleider, Abendroben, Opernballkleider, Outfits für den großen Auftritt: von der Rednerbühne bis zur TV-Show. Sei es ein Rock für den Hochzeitsgast auf Barbados oder das perfekte Kleine Schwarze für ein prägnantes Business-Strand-Outfit auf den Malediven – diese KleiderKunstwerke sind dem Körper, dem Temperament und dem Anlass angemessen. Sie setzen Frauen würdevoll und spektakulär in der ihnen eigenen Eleganz in Szene.

Erzählen Sie uns von den Anfängen Ihres Weges in die Selbstständigkeit: Wann haben Sie den Gedanken an Selbstständigkeit zum ersten Mal gefasst?
Die Selbstständigkeit ergab sich organisch aus meiner beruflichen Entwicklung: Schneiderlehre im Handwerk, Gesellenzeit in der Gewandmeisterei des Theaters in Regensburg, Direktricenausbildung und Berufserfahrung als angestellte Schnitt-Directrice in München. Das Studium Modedesign an der FH Pforzheim habe ich auf dieser Basis überwiegend selbst mit Maßanfertigungen finanziert – dabei entstand eine grobe Vorstellung von Selbstständigkeit.

In welcher beruflichen (evtl. auch privaten) Situation waren Sie?
Ich war schwanger. Mitten im Studium im 5. Semester (das ist ein Praxis-Semester) in Perugia / Italien bei der sportswear-Firma ellesse in der Design-Abteilung angestellt. Es stellte sich dringend die Frage, wie ich die Rolle der alleinerziehenden Mutter und den Beruf der Modedesignerin mit Kind vereinbaren werde.

Wie lange hat es bis zur Selbstständigkeit gedauert?
In Summe genau zwei turbulente Jahre lang: Ich absolvierte mein Praktikum in Italien, machte an der FH komprimiert meine Scheine für das 6. und 7. Semester – während ich immer runder wurde. 4 Wochen vor der Entbindung zog ich um nach Regensburg, wurde glückliche Mutter meines Sohnes, machte 15 Monate später meine Diplomarbeit als beste Absolventin des Jahrgangs und meldete umgehend mein Gewerbe als Designerin an – zusätzlich zu einer Halbtagsstelle, die ich als Absicherung angenommen hatte.

Wie lange hat die konkrete Planungsphase gedauert?
Meine Firma war vorerst ein Zusatzgewerbe – zur Absicherung in der Gründungsphase schien dies sinnvoll und vernünftig. Was sich als klug und notwendig erwies: Mein Sohn war wegen einer unerkannten Allergie in den ersten Jahren oft krank, und ich war sehr froh über mein regelmäßiges sicheres Einkommen, die vorläufige Entlastung bei Kranken- und Rentenversicherung und die sehr flexibel und kinderfreundlich gestaltete Arbeitszeiteinteilung meines Arbeitgebers.
Die konkrete Planungsphase zum Sprung in die „volle“ Selbstständigkeit mit allen Konsequenzen fand 9 Jahre später statt und dauerte nur 5 Monate.

Wie lange hat es gedauert, bis Sie zum ersten Mal den geplanten/erhofften Minimal-Umsatz erreicht hatten?
In den Jahren meiner „Halbtags-Selbstständigkeit“ stellte sich diese Frage nicht – das Geld musste einfach reichen, und ich war stolz, meinen Weg als alleinerziehende Mutter ohne staatliches Geld zu gehen – auch wenn es manchmal sehr knapp war. Mit der vollen Selbstständigkeit lag die Schätzung in den errechneten Budgetplänen realistisch und der Minimalgewinn wurde im ersten Jahr erreicht.

Was hat den Ausschlag für den Schritt in die Selbstständigkeit gegeben?
Gründe:

Welche Ihrer Charakterstärken haben Ihnen in der Anfangsphase geholfen?
Mut, Disziplin, Selbstbewusstsein, Kreativität, der Glaube an den nächsten Auftrag

Welche Charakterstärken haben geholfen, bis heute den Weg der Selbstständigkeit durchzuhalten?
Disziplin, Mut, Kreativität, Kraft, Rationalität, der Glaube an „Beste Qualität ist ihren Preis wert und setzt sich durch.“

Welche Ihrer Talente haben beim Weg in die Selbstständigkeit geholfen?

Woher kam das Geld zum Leben in der Anfangszeit, bevor Sie erstes Geld in der Selbstständigkeit verdient haben?
Zunächst aus der Halbtagsstelle, die das selbstständige Zusatzgewerbe absicherte.
In den ersten 5 Monaten der Voll-Selbstständigkeit wurde damals Überbrückungsgeld vom Arbeitsamt bezahlt, wenn man ein halbes Jahr lang arbeitslos war und sich selbstständig machte. (monatlich 1000.- DM – entspricht ca 511.- €)
Maschinen, Bügelanlage, PC, EDV Software und weitere Geschäftsausstattung wie Fotos, Flyer, Briefpapier finanzierte ich mit einem Betriebs- und Praxisdarlehen, zwei Jahre tilgungsfrei und mittlerweile abbezahlt.

Hatten Sie Ratgeber (Menschen/Firmen/Bücher/Computerprogramme)? Welche waren besonders wichtig?

Vor welchen Herausforderungen standen Sie beim Schritt in die Selbstständigkeit? Welche Veränderungen/Probleme gab es?

Wie oft haben Sie gedacht: „Es gelingt einfach nicht wie geplant, ich könnte/sollte eigentlich aufgeben“? Warum haben Sie doch nicht aufgegeben?
In Phasen magerer Auftragslage war das immer eine Herausforderung. Bei der konkreten Vorstellung, alles aufzugeben, melden sich dann jedoch sofort kleine Bauchstimmen, die von den Vorteilen der Freiheit und der Flexibilität und von der Liebe zu meinem Beruf flüstern, die ungenutzte Möglichkeiten und Wachstumschancen aufzählen – und oft zu ungeahnten kreativen Ergebnissen führen. (Die Krise und die Chance …)

Welche Ängste hatten Sie auf dem Weg/haben Sie bis heute? Wann und warum haben Sie an der Richtigkeit des Weges gezweifelt?

Gibt es etwas, was Sie sich zur Erleichterung der ersten Schritte gewünscht hätten?
Mehr Wissen über Selbst-PR und die damit verbunden langfristigen Erfolge. Mehr Austausch mit Menschen, die den Weg schon gegangen sind. Mehr Wissen über Zeitmanagement.

Sind Sie der Meinung, dass es Menschen gibt, die sich eher nicht selbstständig machen sollten?
Hilfreich sind: Disziplin, Ausdauer, Selbstbewusstsein und das Bewusstsein über das eigene Können, solide Ausbildung, finanzielle Mindestabsicherung, soziales Netz, Neugier, Mut und eine klare Vision, wie die eigene Selbstständigkeit funktionieren kann•
Hinderlich sind die „Dienst nach Vorschrift“- und „mir steht aber dies und jenes zu“- Haltung, Ängstlichkeit, sehr starkes Sicherheitsbedürfnis, Spielernaturen.

Gibt es Menschen, die sich unbedingt selbstständig machen sollten?

Welche Gefahren lauern, wenn sich die ersten Erfolge eingestellt haben?

Welche positiven Inspirationen hat der Schritt in die Selbstständigkeit gebracht?

Ihre drei Tipps für zukünftige NeugründerInnen

  1. Suchen Sie sich einen Mentor – Unterstützer – Feedbackgeber!
  2. Planen Sie Ihre Finanzen sehr genau (Rücklagen, Versicherungen, Rente) und scannen Sie den Markt in Bezug auf Ihre geplante Dienstleistung / Produkt / Geschäftsidee.
  3. Seien Sie auf der Hut vor Klein- und Miesmachern und
  4. Seien Sie offen für ehrliche, konstruktive (!!) Kritik und positive Anregungen!

 

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